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AUFGABEN DER POLITIK

Im Vergleich zur korrekten Mülltrennung hinkt das Wissen um effizientes Heizen in der Bevölkerung weit hinterher. Ulrich Wickert erklärt, wer für mehr Aufklärung sorgen kann.


“ES IST AUCH DIE AUFGABE DER POLITIK, DEN MENSCHEN ZU ZEIGEN, WAS MAN TUN KANN.”

An der Notwendigkeit der Energiewende zweifelt in Deutschland eigentlich niemand mehr. Trotzdem reicht der bisherige Kurs nicht aus.


Warum zeigen Staat und Kommunen, wenn es um effizientes Heizen geht, nicht das gleiche Engagement wie bei der Trennung von Müll?

Ulrich Wickert: Das Problem ist, dass immer noch viele Leute denken: “Ich alleine kann ja nichts tun.” Das hat sich in manchen Bereichen schon verändert. Nehmen wir mal die Mülltrennung. Das kennen und machen inzwischen viele Leute. Dass die Mülltrennung bei uns so gut funktioniert, liegt daran, dass es von der Öffentlichkeit und damit auch von der Politik so gewollt wird. Die Stadtverwaltung schickt den Bürgern Infobroschüren zur Aufklärung über Mülltrennung ins Haus. Das ist auch die Aufgabe der Politik, dass sie einem klar macht, was man tun kann, um die Umwelt zu schützen.





“ES MUSS EINE LANGFRISTIGE ZUSAGE DES STAATES GEBEN, AUF DIE MAN VERTRAUEN KANN.”

Welche Rolle kommt der Politik zu, wenn es darum geht, das Verhalten der Bürger in Sachen Energiewende zu beeinflussen?

Ulrich Wickert: Wir erleben es immer wieder, dass die Politik Maßnahmen ergreift, um das Verhalten der Bevölkerung zu verändern. Momentan wird intensiv darüber diskutiert, ob man den Kauf eines Elektroautos subventionieren soll. Was steckt hinter dieser Idee? Indem der Staat dem Käufer eines Elektroautos Geld dafür gibt, vom Benziner auf das E-Auto umzusteigen, will die Politik das Verhalten der Bürger beeinflussen.





Welche weiteren Einflussmöglichkeiten hat der Staat, um die Energiewende aktiv voranzutreiben?

Ulrich Wickert: Die Unterstützung alternativer Antriebssysteme für das Auto ließe sich natürlich auch auf den Energieverbrauch der Bürger ummünzen. Man müsste z. B. Hausbesitzern einen Anreiz bieten, um weniger Energie beim Heizen zu verbrauchen.

 

Wer selbst viel Geld in die Hand nimmt, um staatliche Zuschüsse in Anspruch zu nehmen, bräuchte im Gegenzug eine Art Garantie?

Ulrich Wickert: Ja genau, diese Anreize müssten über einen Zeitraum von zehn bis 15 Jahren hinweg langfristig Bestand haben. Gerade beim Hausbau, oder dessen Subventionierung, muss es klare und verlässliche Ansagen geben.


“WIR WISSEN, DASS WIR ETWAS TUN MÜSSEN.”

 

Wie stehen die Deutschen zur Energiewende?

Ulrich Wickert: Ich habe den Eindruck, dass doch sehr viele Menschen eine Ahnung von der Bedeutung der Energiewende haben. Vielleicht nicht im Detail, aber an ihrer Notwendigkeit zweifelt eigentlich niemand mehr.

 

Welche Bereiche betrifft die Energiewende?

Ulrich Wickert: Wenn man über die Energiewende spricht, geht es dabei gleich um mehrere Themen, wie beispielsweise um Strom und Mobilität. Was ich jedoch besonders wichtig finde, ist die Frage: Wie viel Energie brauchen wir? Auf diesem Gebiet müssen wir noch deutlich zulegen.





Wie wichtig ist uns Energieeffizienz?

Ulrich Wickert: In Deutschland ist das Bewusstsein für die Frage der Energie, ihrer Nutzung und Erzeugung eigentlich sehr ausgeprägt, weil wir wissen, dass wir mit unserer Natur nicht Raubbau treiben dürfen. Das bedeutet, dass wir auch wissen, dass wir etwas tun müssen. Wenn Sie sich in der Welt umschauen, dann ist Deutschland wahrscheinlich das Land, das sich hier die höchsten Ziele gesteckt hat. Aber sonst wären wir vermutlich auch nicht diejenigen, die sie erreichen. Und so schaut die ganze Welt inzwischen auf Deutschland und seine Energiewende.


“IN VIELEN LÄNDERN HAT MAN NOCH NICHT BEGRIFFEN, WAS DER EINZELNE ERREICHEN KANN.”

 

Wie wird mit dem Thema Energieverbrauch in anderen Ländern umgegangen?

Ulrich Wickert: Da ich viel reise, weiß ich: Weltweit ist unser Energieverbrauch und seine ökologischen Folgen ein großes Problem. Bestes Beispiel ist derzeit Peking in China und der Smog dort. Als ich in Moskau war, konnte man die Heizungen im Winter nicht auf- oder zudrehen. Wenn es den Leuten dann zu warm war, mussten sie das Fenster aufmachen. Oder schauen Sie sich Kalifornien an, das in letzter Zeit unter extremer Trockenheit gelitten hat. Dort hat sich das Umweltbewusstsein der Bevölkerung deswegen auch nicht geändert. Man hat noch nicht begriffen, was wir alles tun können und was der Einzelne erreichen kann.





Bleiben wir bei den USA: Wie erklären Sie sich die amerikanische Energiepolitik?

Ulrich Wickert: Ich glaube, einer der Gründe für das fehlende Umweltbewusstsein in Amerika ist, dass Energie dort zu billig ist. Wenn Sie sich da Benzin kaufen, nicht etwa in Litern sondern in Gallons, eine amerikanische Gallon sind knapp vier Liter, dann kostet das gerade einmal 2, 3 €. Wenn Sie also in den USA heizen, dann kostet das nicht viel Geld. Dafür sorgt auch die Industrie, die großen politischen Einfluss und ein Interesse daran hat, dass insgesamt viel verbraucht wird.

 

Erfüllt der deutsche Weg eine Art Vorbildfunktion für andere Nationen?

Ulrich Wickert: Das deutsche Projekt wird weltweit beobachtet – auch in Amerika. Der deutsche Atomausstieg nach Fukushima hat viele zum Nach- und Umdenken veranlasst. Hinzu kommt noch, dass Alternativen zur Atomenergie, wie die Kohle, die Umwelt noch mehr belasten. Dass in Deutschland mittlerweile rund 30 % des Bedarfs aus Windenergie generiert werden, macht viele noch zuversichtlicher. Dabei besteht aber immer die Gefahr, dass man sich auf dem bisher Erreichten ausruht und die Anstrengungen zurückfährt.

 

Ist Deutschland ein ökologischer Alleinunterhalter oder nimmt man sich hierzulande auch an anderen Ländern und deren Umwelt- und Energiepolitik ein Vorbild?

Ulrich Wickert: Ich glaube, dass die Deutschen sich gar nicht so sehr nach den anderen richten, sondern dass sie aufgrund ihres ökologischen Bewusstseins und aus eigener Überzeugung heraus immer wieder selbst Veränderungen anstreben. Es ist schon interessant, wie hoch das Verantwortungsbewusstsein in der Bevölkerung in Umweltfragen sein kann. Warum kam es bei uns zum Atomausstieg? Weil die CDU-Regierung gemerkt hat: Wenn wir nicht machen, was die Wähler wollen, verlieren wir die nächsten Wahlen. Es ist also ganz wichtig, dass die Wähler klar machen, was sie wollen.


01.12.2017 15:11:51