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KLIMAZIELE WERDEN MIT "WEITER SO" VERFEHLT

Je mehr Häuser saniert werden, umso eher werden die Klimaziele auch im Gebäudesektor erreichbar sein.


SONDERBERICHT DES WELTKLIMARATS SENSIBILISIERT GEBÄUDESEKTOR

Die Sanierungsquote im Gebäudesektor ist noch immer viel zu gering, um das Minimalziel, die CO₂-Emissionen bis 2050 um mindestens 80 % gegenüber 1990 zu senken, zu erreichen. "Je länger wir warten, desto schwieriger wird es, die Ziele noch zu erreichen", sagt Prof. Andreas Holm, Leiter des Instituts für Wärmeschutz (FIW) in München.

 

Es ist wieder einmal fünf vor 12. Der Weltklimarat weist in seinem Sonderbericht nachdrücklich darauf hin, die Maßnahmen zu stärken, um den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid zu senken. In Deutschland ist das vorrangig ein Appell an den Gebäudesektor, der im Jahr 2016 mehr als der gesamte Verkehr und die Industrie verbraucht hat. Allerdings tut sich der Gebäudesektor schwer. Über alle Sektoren hinweg wurden zwischen 1990 und 2017 gerade einmal 27 % des Weges zum 80 %-Ziel hinsichtlich der Einsparung von Kohlendioxid zurückgelegt. "In den letzten fünf bis zehn Jahren beobachten wir keine wesentliche weitere Reduzierung der Emissionen", beklagt Andreas Holm. "Aktuell liegen wir weit hinter den Klimazielen zurück", sagt der Leiter des Instituts für Wärmeschutz (FIW) in München, der beim derzeitigen Kurs lediglich mit einer Kohlendioxideinsparung von 62 % rechnet: "Um das Klimaziel zu erreichen, müssen wir künftig 26 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr zusätzlich einsparen."



Die Sanierungsquote muss dringend erhöht werden. Aktuell liegen wir weit hinter der notwendigen Quote zur Erreichung der Klimaziele zurück.

Leiter des Instituts für Wärmeschutz (FIW)



AKTUELLE SANIERUNGSQUOTE NUR BEI 0,8 %

Der Hauptgrund liegt darin, dass zu wenige Gebäude mit schlechter Energiebilanz saniert und modernisiert werden. "Im Bestand wird zu wenig getan", befindet Holm. Aktuelle Studien fokussieren sich deshalb darauf, herauszufinden, unter welchen Randbedingungen die Klimaziele doch noch erreicht werden können. In der Studie "Wirtschaftliche Bedeutung der Gebäudehülle im Wohnungsbau" des FIW etwa zeigt sich, dass durch eine Erhöhung der Sanierungsquote von 0,8 % auf 2 % viel Energie eingespart werden kann. Alleine bei "Eigenheimen und dem Geschosswohnungsbau" fallen dann knapp 120 Terrawattstunden weniger an. Gegenüber 2015 würde der Energieverbrauch bei dieser deutlich höheren Sanierungsquote im Jahre 2050 von heute 574 Terrawattstunden auf gerade einmal 225 Terrawattstunden fallen – auf weniger als die Hälfte. Nach Berechnungen des FIW entspräche diese Reduzierung in etwa einer Kohlendioxideinsparung von knapp 80 % – dem geforderten Mindestziel.


Der Energiebedarf im Gebäudesektor in Abhängigkeit von der Modernisierungsrate. Quelle: Wirtschaftliche Bedeutung der Gebäudehülle im Wohnungsbau (FIW), 2018
Der Energiebedarf im Gebäudesektor in Abhängigkeit von der Modernisierungsrate. Quelle: Wirtschaftliche Bedeutung der Gebäudehülle im Wohnungsbau (FIW), 2018

TECHNOLOGIEMIX-SZENARIO: KLIMAZIELE SIND MÖGLICH

Beim Energiesparen kommt es nicht nur auf die Gebäudehülle an. Ebenso wichtig für den Energieverbrauch sind die "Wirkzusammenhänge aus Gebäudehülle, Anlagentechnik und Energiebereitstellung", so die "Gebäudestudie" der Deutschen Energie-Agentur (dena) und der Allianz für Gebäude-Energie-Effizienz (geea). Im Detail geht es um drei "Szenarien für eine marktwirtschaftliche Klima- und Ressourcenschutzpolitik 2050 im Gebäudesektor".

  • Im so genannten "Referenz-Szenario" entwickelt sich der Gebäudesektor im gleichen Tempo weiter wie bisher. Der Austausch etwa von alten Heizungen sowie die Nutzung erneuerbarer Energien werden nicht beschleunigt, die Sanierungsquote von Gebäuden bleibt auf stagnierendem Niveau.

  • Im "Elektrifizierungsszenario" werden etwa Elektrowärmepumpen eingesetzt, die die Energie aus der Umgebung verwerten. Für die Wärmegewinnung werden dabei vermehrt, erneuerbare Energien genutzt sowie die Sanierungsrate und -tiefe signifikant erhöht.

  • Im dritten Szenario "Technologiemix" werden die Gebäude beispielsweise über Elektrowärmepumpen sowie Gas- oder Ölheizungen beheizt und auch hier werden die Sanierungsrate und -tiefe erhöht.



Besonders die Szenarien Technologiemix (TM) und Elektriifizierung (EL) sind laut
Besonders die Szenarien Technologiemix (TM) und Elektriifizierung (EL) sind laut "Gebäudestudie" der dena und geea geeignet, die Emissionen von Kohlendioxid nachhaltig zu senken. Quelle: Gebäudestudie (dena/geea), 2017

GEBÄUDESTUDIE: MIT "WEITER SO" WERDEN ZIELE KLAR VERFEHLT

Das Ergebnis zeigt, dass das "Elektrifizierungs-" sowie das "Technologiemix-Szenario" geeignet sind, die gesetzten Klimaziele zu erreichen, während ein "Weiter so" lediglich zu Einsparungen von 60 % führen würde. Allerdings bedeutet ein Heizen mit Strom erhebliche Kosten, während sich bei geringerem finanziellem Mehraufwand mit dem beschriebenen "Technologiemix-Szenario" fast das 95 %-Ziel im Rahmen des Technologiemix-Szenarios erreichen lässt. "Der Zug ist noch nicht abgefahren, allerdings wird die Umsetzung geeigneter Maßnahmen umso anspruchsvoller, je länger wir warten", konstatiert Andreas Holm. "Zudem ist bei den aktuell geringen Zinsen ein guter Zeitpunkt, in geeignete Maßnahmen zu investieren."


16.11.2018 05:18:27