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BRANDVERHALTEN WDVS

Ein Praxisversuch der Maler- und Lackiererinnung des Wetteraukreises


WIE FEUERGEFÄHRLICH IST EIN WDV-SYSTEM WIRKLICH?

 

Die Berichterstattung über die vermeintliche Feuergefährlichkeit von Wärmedämm-Verbundsystemen hat im Kreis der erfahrenen Profis Überraschung hervorgerufen. Wiederholt wird in Medien behauptet, dass eine sogenannte “Styropor”-Dämmung brandgefährlich sei.

Durch die vielen negativen Presseberichte der jüngsten Vergangenheit sind die Hausbesitzer verständlicherweise verunsichert. Die Betriebe der Maler- und Lackiererinnung des Wetteraukreises verarbeiten seit Jahrzehnten WDV-Systeme, ohne dass es jemals zu bedrohlichen Brandgefahren gekommen ist. Die Negativschlagzeilen sorgen in der Fachwelt somit regelmäßig für Verwunderung. Doch die Kollegen wollten es genau wissen – und haben es ausprobiert.





EIN BRANDHEISSES LEHRLINGSPROJEKT

Um den Versuch genau zu planen und durchzuführen, haben sich Betriebe der Innung zu einem Lehrlingsprojekt getroffen. Die Auszubildenden haben unter Anleitung erfahrener Meister drei Probestücke aufgebaut und dabei die verschiedenen Arbeitsschritte bei der Errichtung eines korrekten Wärmedämm-Verbundsystems nachvollzogen:

  1. Auf die erste Versuchsfläche wurde Dämmstoff aufgebracht.

  2. Auf die zweite Versuchsfläche wurde zusätzlich die Armierungsschicht aufgebracht.

  3. Auf der dritten Fläche wurde das WDVS mit dem Oberputz komplettiert.

An alle drei Versuchsflächen wurde mit einem handelsüblichen Gasbrenner Feuer gelegt. Diese Brenner, wie sie Dachdecker zum Aufbrennen von Dachpappe verwenden, entwickeln eine Flamme von etwa 1.000 bis 1.300 Grad. Dies entspricht in etwa der Hitze, die bei einem Feuerüberschlag aus Wohnungsbränden entsteht.


DAS ERGEBNIS DES PRAXISTESTS

Von einer “Feuerfalle WDVS” kann keine Rede sein. Wie zu erwarten war, kann der ungeschützte Dämmstoff den Flammen zwar nicht widerstehen. Im Versuch war aber zu beobachten, dass das Dämmmaterial nur unter Einwirkung der Primärflamme brannte und abschmolz. Sobald die Brennerflamme wegfiel, erlosch auch das Dämmmaterial binnen Sekunden. Der Brand hatte sich nicht etwa verselbstständigt.

Schon im zweiten Stadium des WDVS, mit einer Armierungsschicht, die aus einem Armierungsmörtel mit einer Gewebeeinlage besteht, ist der Dämmstoff gut geschützt. Hinter der Armierungsschicht schmolz der Dämmstoff zwar zusammen, brannte oder tropfte aber nicht ab.

Das vollständig ausgeführte und verputzte Wärmedämm-Verbundsystem stellte einen noch besseren Schutz dar. Hier musste die Putzoberfläche nach dem Versuch unter Anwendung von Gewalt geöffnet werden, um das Ergebnis dahinter begutachten zu können.

In keinem Fall kam es zu einer Ausbreitung des Brandes. Das professionell und nach Herstellervorgaben errichtete Wärmedämm-Verbundsystem hätte unserer Einschätzung nach bei einem realen Brand den Flammen mindestens bis zum Eintreffen der Feuerwehr sicher widerstanden.   

Eine vermeintliche Brandgefahr an der Fassade konnte damit nicht bestätigt werden. Brandgefahren gehen erfahrungsgemäß jedoch ohnehin sehr viel mehr von Materialien im Inneren von Gebäuden aus: Möbel, Elektrogeräte, Gardinen, Teppiche usw. – alles in allem betrachtet, spielt die Fassade, ob gedämmt oder nicht, eine eher untergeordnete Rolle bei der Feuersicherheit.


DIE MALER- UND LACKIERERINNUNG DES WETTERAUKREISES

Die Maler- und Lackiererinnung wurde als freiwillige Interessenvertretung zur Förderung der gewerblichen Interessen ihrer Mitglieder gegründet.  Ihre Mitglieder fühlen sich dem Beruf in besonderer Weise verbunden und verpflichtet. Voraussetzung für die Aufnahme in die Innung sind eine fundierte fachliche Qualifikation und mehrjährige Berufserfahrung. Nicht umsonst ist daher die Mitgliedschaft in der Maler- und Lackiererinnung ein besonderes Qualitätsmerkmal. Zur Zeit sind 70 Betriebe Mitglied bei der Maler- und Lackiererinnung des Wetteraukreises.

Lars Köhler

Lars Köhler ist Geschäftsführer der Hermann Köhler Baudekoration GmbH in Ranstadt. Der Betrieb in dritter Generation beschäftigt aktuell 35 Mitarbeiter. Davon sind vier erfahrene Maler- und Lackierermeister und sechs Auszubildende. Zum Tätigkeitsgebiet zählen alle Arten von Maler-, Lackier- und Putzarbeiten. Seit 1966 werden WDV-Systeme errichtet.  Daneben ist Lars Köhler Mitglied des Vorstands der Maler- und Lackiererinnung des Wetteraukreises.

Uwe Landmann

Die Baudekoration Landmann GmbH wird seit 2015 in dritter Generation von Uwe Landmann geführt. Der Familienbetrieb wurde 1949 gegründet und kann somit auf eine mehr als 60-jährige Firmengeschichte zurückblicken. Das Team besteht derzeit aus zwölf Mitarbeitern, darunter zwei Auszubildende. Der Meisterfachbetrieb führt neben den traditionellen Maler-, Putz- und Tapezierarbeiten  auch dekorative Techniken, Trockenausbau, Akustiksystemen, Fließestrich, Brandschutz und natürlich WDVS-Arbeiten aus. Darüber hinaus ist Uwe Landmann im Vorstand der Maler- und Lackiererinnung des Wetteraukreises sowie als Vorsitzender des Prüfungsausschusses für den Schulstandort Nidda tätig.


22.06.2017 10:49:03