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KLIMASCHUTZZIELE –
WIE STOPPEN WIR
DEN KLIMAWANDEL?

Nationale, europaweite und internationale Maßnahmen sollen helfen, unsere Umwelt für die Zukunft zu bewahren.


ES MUSS DRINGEND ETWAS GESCHEHEN

Das Klima hat sich spürbar verändert, die Prognosen sind katastrophal: Der Schutz der Umwelt hat sich zu einer der größten globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts entwickelt.

 

Hauptverursacher des veränderten Klimas ist der Mensch. Daher muss alles menschenmögliche getan werden, um die Klimaziele zu erreichen und den Klimawandel aufzuhalten. Wichtig sind dabei vor allem die drastische Senkung der Treibhausgasemissionen, der Ausbau erneuerbarer Energien sowie vor allem eine verbesserte Energieeffizienz, um unseren Energieverbrauch nachhaltig zu reduzieren.



GLOBALE ERWÄRMUNG: GESTERN UND HEUTE

Seit Beginn der Industrialisierung hat Deutschland fast 5% zur Erderwärmung beigetragen und das, obwohl die deutsche Bevölkerung nur rund 1% der Weltbevölkerung ausmacht. Gelingt es uns nicht, die Erderwärmung bis 2100 auf unter 2°C im Vergleich zum Niveau vor Beginn der Industrialisierung zu halten, hat das schwerwiegende Folgen: Extreme Wetterereignisse, schlechte Ernten, erhöhte Waldbrandgefahr, Einschränkungen des Schiffsverkehrs durch niedrige Wasserstände oder ein Ungleichgewicht der heimischen Ökosysteme – eine Entwicklung, die schon längst begonnen hat.

Auch die hohen Treibhausgasemissionen stellen ein großes Problem dar, vor allem hierzulande: Die Pro-Kopf-CO2-Emissionen pro Jahr sind etwa doppelt so hoch wie der internationale Durchschnitt und trotz des massiven Ausbaus erneuerbarer Energien stammt ein Großteil unserer Energie weiterhin von fossilen Brennstoffen. Zwar lagen die Emissionen in Deutschland 2018 "nur" bei rund 866 Mio. Tonnen CO2 – also rund 30% weniger als noch 1990. Dennoch reicht diese Zahl noch längst nicht aus, um die im Aktionsprogramm Klimaschutzziele 2020 festgelegte Reduktion von 40% zu erreichen.



KLIMASCHUTZZIELE – GLOBAL, EU-WEIT UND NATIONAL

Klimaschutz international

Mit der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen hat sich die internationale Staatengemeinschaft zum Ziel gesetzt, die Treibhausgasemissionen global zu stabilisieren. Dazu findet jährlich die "Weltklimakonferenz" statt, im Jahr 2019 von 2. bis 13. Dezember in Madrid. Bei der Klimakonferenz 2015 wurden die globalen Klimaschutzziele im Pariser Klimaschutzabkommen definiert. Die dortigen Beschlüsse gelten für sämtliche Industrie- und Entwicklungsländer und haben zum Ziel,

  • die Erderwärmung auf deutlich unter 2°C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen (wenn möglich unter 1,5°C),
  • die Weltwirtschaft zwischen 2050 und 2100 treibhausgasneutral zu gestalten und
  • die Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu verstärken sowie die Finanzmittelflüsse mit den Klimazielen in Einklang zu bringen.

Damit die Umsetzung der Ziele gelingt, müssen die Staaten diese alle fünf Jahre nachbessern und optimieren.


Die Europäische Union und ihre Klimaschutzziele

Die Rettung des Klimas ist auch für die Europäische Union als Mitglied der Vereinten Nationen einer der zentralen politischen Schwerpunkte. Ihre Klimaziele 2030 und 2050 sind ebenfalls sehr ambitioniert:

  • Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien bis 2030 auf mindestens 32% des gesamten Energieverbrauchs
  • Senkung des Primärenergieverbrauchs bis 2030 um mindestens 32,5%
  • Bei der Klimakonferenz in Madrid wurde im Rahmen des "European Green Deals" die Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2030 um 50–55% gegenüber 1990 beschlossen. Zuvor war nur eine Minderung um 40% geplant. Zudem wurde die Klimaneutralität der EU bis 2050 festgelegt, welche bis März 2020 in einem Gesetz verankert sein soll.

Der von den europäischen Staats- und Regierungschefs bestätigte  "Green Deal" sieht zudem vor, dass die Mitgliedstaaten ihre jeweiligen Klimapläne bis 2023 aktualisieren.

Die Umsetzung in den Sektoren Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft erfolgt durch die Klimaschutzverordnung, im Energie- und Industriesektor durch den europäischen Emissionshandel (EU ETS).



Die Klimaschutzziele der Bundesregierung

Um die Vorgaben des Pariser Klimaschutzabkommens umzusetzen, hat die Bundesregierung mit dem Klimaschutzplan 2050 klimapolitische Meilensteine definiert, welche sich sowohl an den globalen Zielen als auch an den Zielen der EU orientieren.

Der Plan sieht vor, dass Deutschland bis zum Jahr 2050 weitgehend emissionsneutral wird. Darüber hinaus soll der Anteil regenerativer Energien massiv gesteigert und unser Energieverbrauch drastisch gesenkt werden:


Die Klimaschutzziele Deutschlands bis 2050 in Zahlen:


100 %

Senkung des Treibhausgasausstoßes (gegenüber 1990)

60 %

Steigerung des
Anteils erneuerbarer Energien

50 %

Senkung des Primärenergieverbrauchs (gegenüber 2008)


Dauerhaft erfolgreicher Umweltschutz funktioniert nur gemeinsam mit einer nachhaltigen Ressourcennutzung, die den Erhalt der Artenvielfalt nicht gefährdet. Um dies zu gewährleisten, wurden im Klimaschutzplan 2050 darüber hinaus verschiedene Zwischenziele festgelegt:

  • Minderung des Treibhausgasausstoßes bis 2030 um mind. 55%, bis 2040 um mind. 70%
  • Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch bis 2030 um 30%, bis 2040 um 45%

Der Klimaschutzplan wird, analog zum Pariser Abkommen, alle fünf Jahre überprüft und fortgeschrieben. Dadurch entwickelt er sich kontinuierlich weiter. So können die Anstrengungen zur Umsetzung der Ziele weiter gesteigert und die Zwischenziele sowie die erreichten Meilensteine stetig angepasst werden. Auch neue gesellschaftspolitische Entwicklungen sowie aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse lassen sich so berücksichtigen. Die erste Fortschreibung soll Ende 2019 bzw. Anfang 2020 erfolgen, wenn die Vertragsstaaten des Pariser Abkommens ihre neuen Beiträge vorlegen müssen.


DIE SEKTORZIELE DES KLIMASCHUTZPLANS 2050

Mit dem Klimaschutzplan 2050 wurden erstmalig auch Ziele für die einzelnen Sektoren festgelegt. Um die Treibhausemissionen bis 2030 um mindestens 55% gegenüber 1990 in allen Wirtschaftszweigen zu senken, wurden daher für die Sektoren Energiewirtschaft, Industrie, Gebäude, Verkehr und Landwirtschaft bis 2030 sogenannte "Zielkorridore" vereinbart.


Der Sektor Energiewirtschaft

Ein zentraler Aspekt der Klimaziele ist der Umbau des Sektors "Energiewirtschaft", vor allem im Hinblick auf die Energieeffizienz unserer Gebäude. Hier wurden mit der Energiewende bereits wichtige Maßnahmen für die Zukunft ergriffen. Der Plan sieht vor, die Emissionen des Sektors durch den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien sowie durch den schrittweisen Rückgang fossiler Energieversorgung bis 2030 um 61–62% gegenüber 1990 zu reduzieren.


BETRIFFT DER KLIMASCHUTZPLAN 2050 AUCH UNSERE GEBÄUDE?

Die Antwort lautet "Ja!". In Deutschland ist allein der Gebäudesektor für rund 40% des Energieverbrauchs sowie für gut ein Drittel der CO2-Emissionen verantwortlich. Ein beachtlicher Anteil.

Was also müssen wir im Gebäudebereich tun? Energieeffizienz und erneuerbare Energien sind hier der Schlüssel! Die Dämmung unserer Gebäude ist eine der wichtigsten Maßnahmen, um die Energieeffizienz zu erhöhen und so den Verbrauch an fossilen Brennstoffen nachhaltig zu reduzieren. Gleichzeitig muss der Ausbau regenerativer Energien weiter vorangetrieben werden, um die CO2-Bilanz im Gebäudebereich zu verbessern und unsere Abhängigkeit von Stromimporten zu senken.

Denn: Ohne mehr Energieeffizienz können die erneuerbaren Energien unseren Energiebedarf nicht decken; fehlt es wiederum an regenerativen Energien, reicht Energieeffizienz nicht aus, um den CO2-Ausstoß und den Ressourcenverbrauch in notwendigem Maß zu senken.

 

Die Sektorziele im Gebäudebereich

Wichtig für eine klimaneutrale Zukunft ist auch eine energieeffiziente Entwicklung des "Gebäudebereichs". Rund zwei Drittel unserer Wohngebäude wurden vor der ersten Wärmeschutzverordnung 1977 erbaut, ihr Energiebedarf ist demnach deutlich höher als bei Häusern, die später errichtet wurden. Im Umkehrschluss bedeutet dies jedoch auch, dass hier das Einsparpotenzial sehr hoch ist. Energieeffiziente Sanierungsmaßnahmen wie die Dämmung der Fassade oder die bessere Integration erneuerbarer Energien können somit dabei helfen, den Heizenergieverbrauch sowie die CO2-Emissionen deutlich zu senken.

Da Gebäude langlebig sind, müssen die Weichen für 2050 in diesem Sektor bereits früh gestellt werden. Das Sektorziel sieht vor, dass die Emissionen bis 2030 um 66–67% gegenüber 1990 reduziert werden.

Aktuell bestehen jedoch nicht genug Anreize für Hausbesitzer, um den Wandel zum klimaneutralen Gebäudebestand schnell genug umzusetzen. Mit dem geplanten Klimapaket samt Gesetzesentwurf für eine steuerliche Abschreibung energetischer Sanierung könnte sich dies ändern.


KOMMT DAS KLIMAPAKET DER BUNDESREGIERUNG?

Das Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG) ist Teil des geplanten Klimaschutzprogramms 2030. Mit dem Gesetz sollen die deutschen Klimaschutzziele bis zum Jahr 2030 festgelegt und so die Einhaltung des Pariser Abkommens garantiert werden. Das KSG schreibt die Reduktion der CO2-Emissionen bis 2030 um 55% gegenüber 1990 vor, zudem werden für einzelne Ministerien jährlich Minderungsziele gesetzt, die von unabhängigen Experten überprüft werden müssen.

Das Bundes-Klimaschutzgesetz wurde auf Basis der Beschlüsse des Klimakabinetts am 9. Oktober 2019 verabschiedet und dem Bundestag vorgelegt. Dieser billigte den Gesetzesentwurf am 15. November – nicht ohne großen Widerstand der Opposition. Im nächsten Schritt hat nun der Bundesrat in seiner Sitzung am 29. November 2019 der Einführung des Gesetzes zugestimmt.

Somit muss Deutschland nun die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55% verringern. Damit dies auch gelingt, definiert das Gesetz, wieviel CO2 jeder Sektor bis zum Jahr 2030 noch ausstoßen darf. Erfüllt ein Sektor die vorgegebenen Ziele nicht, muss das zuständige Bundesministerium innerhalb von 3 Monaten ein Sofortprogramm vorlegen.

Das Gesetz wird nun an den Bundespräsidenten zur Unterzeichnung weitergeleitet und soll schließlich am Tag nach der Verkündung im Bundesgesetzblatt in Kraft treten.


04.07.2020 06:22:24

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