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DIE WÄRMEWENDE BRAUCHT EINE GUTE DÄMMUNG

Die Schlüsselrolle des Gebäudebestands bei der Wärmewende wird noch immer unterschätzt. Dabei ist beherztes Handeln dringend notwendig.


DIE ENTSCHEIDENDE RECHNUNG

Ein Beitrag von Ulrich Krenn, Pressesprecher Qualitätsgedämmt e.V.

25.05.2020 Corona macht das Heizen billig. Wer sein Haus jetzt nicht saniert, kommt in der unmittel­baren Folge der Pandemie viel­leicht um hohe Heiz­kosten herum, zahlt aber gegen­über einem Sanierer später ein Viel­faches an Energie­kosten. Erstens, weil Öl- und Gaspreise dann aller Erfahrung nach wieder stark steigen, zweitens verteuern die konti­nuierlich steigenden CO2-Abgaben die fossilen Energie­träger. Das aber ist nicht die entscheidende Rechnung.

 

Wollen wir das Klima wirklich nur dann schützen, wenn wir einen finanziellen Vorteil davon haben? Wie viel ist uns unsere Zukunft wert? Der Sanierung des Gebäude­bestands kommt eine Schlüssel­rolle beim Erreichen der energie- und klima­politischen Ziele zu: Fast 40 Prozent unseres gesamten Energie­verbrauchs und rund ein Drittel aller CO2-Emissionen gehen auf das Konto unserer Gebäude. Um mindestens 80(!) Prozent soll nach den Vor­stellungen der Bundes­regierung der Primär­energie­verbrauch im Gebäude­sektor bis 2050 sinken. Wohn­gebäude müssen künftig also mit drastisch weniger Heiz­energie auskommen als heute. Vor allem Häuser, die vor der ersten Wärmeschutz­verordnung 1977 errichtet wurden, haben oft einen sehr hohen Energiev­erlust durch die Gebäude­hülle. Meist ist eine nach­trägliche Dämmung das wirklich probate Mittel, um dauerhaft Energie­kosten und damit klima­schädliche Emissionen deutlich zu reduzieren. Alles längstens bekannt.



Der Ausbau erneuerbarer Energien ist weit fortgeschritten, nun braucht es einen merklichen Aufschwung für den stockenden Sanierungsmarkt.

Ulrich Krenn, Pressesprecher des Qualitätsgedämmt e.V.




GUTE GRÜNDE FÜR DIE DÄMMUNG

Die zu Beginn dieses Jahres realisierte steuerliche Absetz­barkeit energetischer Sanierung sowie erhöhte Förder­sätze von BAFA und KfW sind ein erster Schritt. Damit allein ist es nicht getan. Noch immer dümpelt die Sanierungs­rate im Bestand bei weit unter einem Prozent, und ein Auf­schwung zeichnet sich nicht ab. Das Doppelte, besser Dreifache, ist rechnerisch nötig, um langfristig die Klima- und Energie­vorgaben zu erfüllen. Und noch immer gibt es trotz besseren Wissens massive Vorbehalte gegen eine bauliche Bedarfs­reduzierung im Gebäude­bereich, ohne die genannte Ziele definitiv nicht zu schaffen sind.

Durch Dämmung sinken nicht nur die Energie­kosten eines Gebäudes. Die Neben­effekte: Eine moderne Aus­stattung kann Wohl­fühl­faktoren und Behag­lichkeit erheblich steigern. Nicht unerheblich ist auch die nach­haltige Wert­steigerung, von der eine fach­gerecht sanierte Immobilie profitiert.


1 %

Aktuelle Sanierungsrate

2 %

Angestrebte Sanierungsrate


VON DER STROMWENDE ZUR WÄRMEWENDE


Noch sind die Gewichte in der Energie­wende sehr ungleich verteilt. Der Ausbau erneuer­barer Energien ist weit fort­geschritten, nun braucht es einen merklichen Auf­schwung für den stockenden Sanierungs­markt. Derzeit unter­stützen nur rund zehn Prozent der abgerufenen Fördermittel (Quelle: dena) Effizienz­maßnahmen im Wärmebereich. Es braucht größere Anreize und attraktive, unkom­plizierte Förderungen vor allem für die Komplett­sanierung, um die angestrebte Sanierungs­rate auch zu erreichen. Kurz: Die Energie­wende muss neu justiert werden, und beim Gebäude muss aus der Strom- auch endlich eine Wärme­wende werden.


03.07.2020 17:44:46

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