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MÜSSEN WÄNDE ATMEN?

Ein Messfehler setzt sich durch: Der häufige Wunsch nach einem Luftaustausch durch die Wände fußt auf einem Irrtum.


DAS MÄRCHEN VON DEN „ATMENDEN WÄNDEN“

Dass Wände atmen müssen, ist ein weit verbreitetes Vorurteil. Es lässt sich auf einen rund 150 Jahre alten Messfehler von Dr. Max von Pettenkofer zurückführen. Doch obwohl dieser Fehler vor fast 100 Jahren erkannt wurde, hält sich das Märchen der “atmenden Wände” hartnäckig.

Die Behauptung, “Wände müssen atmen”, ist in jeder Hinsicht ein fataler Irrtum, der nach wie vor viele Menschen von notwendigen Dämmmaßnahmen abhält. Dabei birgt ein Luftaustausch durch die Wand viele Nachteile: Beispielsweise mindert der so entstehende Zug die Behaglichkeit in den Räumen und treibt die Heizkosten unnötig in die Höhe. Darüber hinaus kann es sogar zu Bauschäden kommen, wenn feuchte Raumluft durch Bauteile strömt. Denn diese kühlt sich ab und setzt sich infolge der Unterschreitung des Taupunkts innerhalb des Bauwerks als Kondenswasser ab. Ein solcher Tauwasserausfall kann zu Schimmelbildung führen und die Lebensdauer der Baustoffe entscheidend beeinträchtigen.



Man hört immer wieder den Mythos, dass ein Haus nach der Energetischen Sanierung nicht mehr “atmet”. Das ist ein fataler Irrtum, der bedauerlicherweise viele Menschen davon abhält, eine energetische Sanierung durchzuführen und in einem entsprechend komfortablen Haus wohnen zu können.

Prof. Dr.-Ing. Andreas Holm vom Forschungsinstitut für Wärmeschutz (FIW)



FRISCHLUFTZUFUHR STATT ZUGLUFT

Undichte Stellen an Wänden, Fenstern oder alten Kaminen sorgen für unangenehme Zugluft und kühlere Räume. Wände müssen luftdicht sein, um die Wärme möglichst im Haus zu halten. Gelüftet wird stattdessen gezielt durch die Fenster beziehungsweise durch eine automatische Lüftungsanlage. Ist in dieser eine Wärmerückgewinnung eingebaut, kann sogar doppelt Energie gespart werden. Die Fassadendämmung trägt so zusammen mit dem Lüften dazu bei, Schimmelpilz zu vermeiden.


Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sorgt für frische Luft, ohne dass wertvolle Raumwärme verloren geht – ganz anders als bei undichten Wänden.
Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sorgt für frische Luft, ohne dass wertvolle Raumwärme verloren geht – ganz anders als bei undichten Wänden.

Abgrenzung der wichtigsten Begriffe aus dem Feuchtemanagement
Abgrenzung der wichtigsten Begriffe aus dem Feuchtemanagement

EIN WICHTIGER UNTERSCHIED: LUFTDURCHLÄSSIGKEIT VS. WASSERDAMPFDURCHLÄSSIGKEIT

Auch wenn keine Luft durch die Wände gelangt, ein Austausch von Luftfeuchtigkeit zwischen Raumluft und Außenluft und umgekehrt findet in der Regel trotzdem statt. Die Fähigkeit der Wand, Feuchtigkeit aufzunehmen und wieder abzugeben, wird auch als Wasserdampfdurchlässigkeit beziehungsweise Wasserdampfdiffusionsfähigkeit bezeichnet. Verfügt ein Baustoff über diese Fähigkeit, gilt er als “diffusionsoffen”. Diese Eigenschaft ist in den meisten Fällen erwünscht, beispielsweise um das Trocknen der innenliegenden Wandteile zu ermöglichen. Viele Dämmstoffe, wie EPS und Mineralwolle, zählen zu den diffusionsoffenen Baustoffen. So ist EPS etwa so dicht wie eine Spanplatte. Kann die Wand zudem Feuchtigkeit aufnehmen, wirkt sie als Puffer für Luftfeuchtigkeit und kann die Feuchtigkeit in der Luft bis zu einem gewissen Maß ausgleichen. Kurzzeitige “Feuchtigkeitsspitzen” – beispielsweise verursacht durch Wäsche waschen, kochen oder putzen – können so abgefangen werden.



FAZIT: Luftdicht, aber diffusionsoffen bauen. Ein Haus atmet durch eine kontrollierte Lüftung, entweder manuell oder durch eine Lüftungsanlage.



22.07.2019 11:33:46