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GEBÄUDESEKTOR: EFFIZIENZ GEHT VOR

Erst sollte die Gebäudehülle effizient gemacht werden. Dann erst lohnt es sich, Wärmepumpen einsetzen oder Power-to-Gas. Die Ergebnisse der Agora-Studie.


EFFIZIENZ IM GEBÄUDE IST DIE GRUNDLAGE

Mitten in der Diskussion um "All Electric" und "All Gas" zeigt die Studie "Wert der Effizienz im Gebäudesektor in Zeiten der Sektorenkopplung" vom unabhängigen Denk- und Politiklabor Agora Energiewende, dass eine effiziente Gebäudehülle unverzichtbar ist.

 

Vier Prozent Einsparung an Energie pro Jahr: "Das ist ab sofort nötig, um das Klimaziel 2030 nicht aus den Augen zu verlieren", meint Peter Mellwig. "Die Frage ist nachrangig, ob die Energiewende vor allem über Wärmepumpen – "all Electric" – oder mit Gas aus erneuerbaren Energien – "all Gas" – bewältigt werden kann, sondern nur noch, wie schnell die Technologien bereitgestellt werden können", sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter am ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung und Leiter des Projektkonsortiums aus ifeu, Fraunhofer IEE und Consentec, das die aktuelle Studie "Wert der Effizienz im Gebäudesektor in Zeiten der Sektorenkopplung" der Agora Energiewende erarbeitet hat. Die Ausgangsfrage dabei war, ob die Sanierung der Gebäudehülle, der Einsatz von "konventionellen" erneuerbaren Energien, von Wärmepumpen oder von so genanntem Power-to-Gas der geeignetste Weg ist.



Energieeffizienz ist die Eintrittskarte für Technologieoffenheit.

Peter Mellwig, wissenschaftlicher Mitarbeiter am ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung und Leiter des Projektkonsortiums aus ifeu, Fraunhofer IEE und Consentec



FÜNF SZENARIEN, UM BIS 2030 70 MILLIONEN TONNEN TREIBHAUSGASEMISSIONEN EINZUSPAREN

Um das herauszufinden, haben die Wissenschaftler fünf verschiedene Szenarien entwickelt, die jeweils unterschiedliche Schwerpunkte setzen und alle in der Lage sind, bis zum Jahr 2030 die erforderlichen 70 bis 72 Millionen Tonnen an Treibhausgasemissionen einzusparen. Das Szenario "Effizienz²", in dem "ein deutlicher aber nicht extremer Fokus auf Verbrauchsverminderung gelegt wird" (Mellwig), dient dabei als Maßstab für die anderen Szenarien, also Effizienz plus Erneuerbare Energien (EE), Effizienz plus Wärmepumpen (WP) und Effizienz plus Power-to-Gas (PtG). Einen Sonderfall stellt das pure Power-to-Gas-Szenario dar, das "All-Gas"-Szenario. Energie² setzt auf Technologien, die bereits seit Jahrzehnten "massenhaft" im Einsatz sind und baut sie im nötigen Maßstab aus, um die Klimaziele noch zu erreichen. Dazu gehört genauso eine Erhöhung der energetischen Sanierungsrate (auf bis zu 2,2 %) wie die Nutzung von Wärmenetzen und Wärmepumpen. Der Verbrauch von Endenergie sinkt in Effizienz² um 44 % bis zum Jahr 2050, in den Effizienz-plus-X-Szenarien sinkt er um mindestens ein Drittel, nur das All-Gas-Szenario liegt darunter. Die Marktreife der Technologien ist zudem höchst unterschiedlich: Die Erzeugung von synthetischen Brennstoffen (Power-to-Gas) ist gerade erst aus dem Labormaßstab heraus und die Märkte für Solarthermie, Biomasseheizungen und Wärmepumpen müssten für Szenarien wie Energie plus EE und WP enorm wachsen, um den Bedarf abdecken zu können. "Der Markt von Dämmmaterialien hingegen ist breit etabliert und könnte die erforderlichen Kapazitätserweiterungen leichter ermöglichen", erläutert Mellwig.


ENERGIEEFFIZIENZ: EINTRITTSKARTE FÜR TECHNOLOGIEOFFENHEIT

Entsprechend identifiziert die Studie Energieeffizienz als Eintrittskarte für Technologieoffenheit: "Eine deutliche Senkung des Endenergieverbrauchs um mindestens ein Drittel bis 2050 ist die Voraussetzung dafür, dass ein sinnvoller Wettbewerb zwischen verschiedenen Energieversorgeroptionen wie erneuerbaren Energien, Wärmepumpen, synthetischen Brennstoffen oder dekarbonisierten Wärmenetzen stattfinden kann. Je effizienter die Gebäude, desto realistischer ist der notwendige Ausbau auf der Erzeugerseite", so steht es in der Studie. Anders herum ausgedrückt bedeutet das, dass Wärmepumpen, Power-to-Gas und Wärmenetze erst dann sinnvoll sind, wenn ein Gebäude bereits saniert ist. "Wärmepumpen können erst eingesetzt werden, wenn die Gebäude bereits einen gewissen Effizienzgrad aufweisen", meint etwa Wissenschaftler Mellwig, "besonders gute Gebäude verdienen eine gute Versorgungstechnik."


Gegenüber dem reinen Effizienz²-Szenario erweist sich die Ergänzung durch Wärmepumpen als sehr wirtschaftlich. Quelle: Studie “Wert der Effizienz im Gebäudesektor in Zeiten der Sektorenkopplung”, Agora Energiewende, 2018
Gegenüber dem reinen Effizienz²-Szenario erweist sich die Ergänzung durch Wärmepumpen als sehr wirtschaftlich. Quelle: Studie “Wert der Effizienz im Gebäudesektor in Zeiten der Sektorenkopplung”, Agora Energiewende, 2018

SZENARIO MIT WÄRMEPUMPEN AM WIRTSCHAFTLICHSTEN

Im direkten Kostenvergleich zeigt sich übrigens, dass die in der Studie betrachteten volkswirtschaftlichen Gesamtkosten sich je nach Szenario unterscheiden: Während über den gesamten Zeitraum betrachtet das All-Gas-Szenario besonders teuer ist und bis 2050 etwa acht Milliarden Euro jährlich mehr kostet, "rechnet" sich besonders das Effizienz-Szenario, in dem ein Fokus auf den Einsatz von Wärmepumpen gelegt wird. Gegenüber dem Effizienz²-Szenario, das auch seinen Anteil von Wärmepumpen an der Wärmeerzeugung bis 2050 erhöht, ist laut Studie damit zu rechnen, dass die Kombination aus Effizienz und Wärmepumpen (Effizienz plus WP) jährlich drei Milliarden Euro geringere Kosten verursacht. Für Wissenschaftler Mellwig sind die Kosten jedoch nicht am wichtigsten: "Letztlich entscheidet die Machbarkeit des Ansatzes." Egal für welche Heizung Hausbesitzer sich entscheiden: Eine hohe Gebäudeeffizienz ist eine gute Basis.


10.12.2018 13:37:11