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BAU 2019: Höhere Energieeffizienz durch Sanierung

Mit der höheren Gebäudeeffizienz wachsen die Ansprüche.


MEHR EFFIZIENZ = MEHR BENÖTIGTER WOHNRAUM

28.01.2019 Kaum ein Architekt wird heute ein Gebäude konzipieren, das nicht energetisch optimiert ist. Doch wächst mit der Effizienz gleichzeitig der Wohnraum jedes Einzelnen, entsteht ein Nullsummenspiel. Umso wichtiger ist es, die Sanierung von Bestandswohnungen zu forcieren.


"Mit jedem Kilowatt, das ich auf der einen Seite einspare, verbrauche ich auf der anderen Seite mehr", nennt Elisabeth Endres ein Paradoxon, das typisch ist für das Bauwesen aktuell. Gebäude werden zwar effizienter, gleichzeitig wächst jedoch der Wohnraum und kassiert damit die eingesparte Energie wieder ein. Architektin Endres lebt als Mitglied der Geschäftsführung vom Ingenieurbüro IB Hausladen weiterhin auf 46 Quadratmetern, wie sie im Rahmen der Konferenz "Effizient, qualitätvoll und digital – Wege in das Bauen von morgen" auf der BAU 2019 zugibt. "Nur bei Energieneutralität wäre mehr Wohnraum sinnvoll", ist auch Lothar Fehn-Krestas überzeugt. Damit spielt der Unterabteilungsleiter Bauwesen, Bauwirtschaft im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat auf dieses Nullsummenspiel an, das entsteht, wenn Gebäude effizienter werden, gleichzeitig aber auch mehr Wohnraum bieten. Eigenes Zutun ist also auch erforderlich, soll aus der gewonnen Effizienz letztlich ein Vorteil für die Klimaziele entstehen.

Der Bedarf an Wohnfläche hat in den letzten Jahren immer mehr zugenommen. Quelle: dena-Gebäudestudie, 2018
Der Bedarf an Wohnfläche hat in den letzten Jahren immer mehr zugenommen. Quelle: dena-Gebäudestudie, 2018

GEBÄUDEENERGIEGESETZ (GEG): KEINE VERSCHÄRFUNG DER ENERGETISCHEN VORGABEN GEGENÜBER DER ENEV

Das "Effizienzhaus Plus" etwa ist so ein Ansatz. Sieben Jahre nachdem der erste Prototyp gebaut wurde, ist für den "Veteran" der baulichen Energieforschung Hans Erhorn klar: "Es ist wirtschaftlich, besser zu bauen als die Energieeinsparverordung (EnEV) einfordert", sagt der im Fraunhofer Institut für Bauphysik für Energieeffizienz und Raumklima zuständige Wissenschaftler. Doch gerade dieser Aspekt wird im derzeit entstehenden Gebäudeenergiegesetz (GEG) offenbar nicht berücksichtigt. So bekräftigt Staatssekretär Gunther Adler aus dem Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, dass geltende energetische Vorgaben im bevorstehenden GEG nicht verschärft würden. Um die Klimaziele 2020 jedoch noch erreichen zu können, muss der gesamte Gebäudebestand deutlich energieeffizienter werden – nicht nur die angestrebten 1,5 Millionen neuen Wohnungen in der laufenden Legislaturperiode, sondern auch die rund 19 Millionen bestehenden Wohngebäude.



Man hätte die EU-Gebäuderichtlinie umsetzen können, stattdessen setzt man ein GEG auf, in dem die EnEV 2014 festgeschrieben wird. Das ist ganz alter Wein in neuen Schläuchen und eine vertane Chance.

Frank Junker, ABG FRANKFURT HOLDING



ENEV-NACHFOLGER GEG: EINE VERTANE CHANCE?

Die Effizienzklassen D, E und F dominieren derzeit in Deutschland.  Das sind Gebäude, die zwischen 80 und 200 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr verbrauchen. Jedes fünfte Gebäude liegt sogar noch darüber. Quelle: dena, 2018
Die Effizienzklassen D, E und F dominieren derzeit in Deutschland. Das sind Gebäude, die zwischen 80 und 200 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr verbrauchen. Jedes fünfte Gebäude liegt sogar noch darüber. Quelle: dena, 2018

Noch ist das GEG nicht zu Ende verhandelt. "Der Entwurf des GEG vom 22. November 2018  wird derzeit im Ressortkreis diskutiert", sagt Peter Rathert aus dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit auf der BAU 2019. Doch er weiß: Um im Jahr 2050 die erforderliche klimaneutrale Gebäudebilanz garantieren zu können, muss der durchschnittliche Primärenergiebedarf bei Wohngebäuden auf 40 kwh/m²a und bei Nicht-Wohngebäuden auf 52 kwh/m²a sinken. Das entspricht etwa einem Drittel bzw. einem Viertel des aktuellen Niveaus, erläutert Rathert. Er setzt auf die Kommission "Zukunft der Gebäude", die seiner Einschätzung nach noch im Januar aktiv wird und bis zum Sommer konkrete "realisierbare" Vorschläge vorlegen soll. Zum Vergleich: Für Wohngebäude, die nach der EnEV 2014 gebaut werden, liegt das Energieniveau bei 75 kwh/m²a und bei der EnEV 2016 bei 56 kwh/m²a. Es wäre für Eigentümer und Wohnungsgesellschaften also nötig, quasi aus freien Stücken über die bestehenden energetischen Vorgaben hinaus zu gehen. Frank Junker geht der derzeit diskutierte Entwurf des GEG nicht weit genug: „Man hätte die EU-Gebäuderichtlinie umsetzen können, stattdessen setzt man ein GEG auf, in dem die EnEV 2014 festgeschrieben wird. Das ist ganz alter Wein in neuen Schläuchen und eine vertane Chance“, sagt der Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft ABG FRANKFURT HOLDING.

Trotz der weit auseinander gehenden Einschätzungen ist Rathert davon überzeugt, dass der GEG-Entwurf "keine rote Karte aus Brüssel bzgl. der Gebäuderichtlinie nach sich ziehen wird". Erst wenn das Bundesumweltministerium den Entwurf akzeptiert, wird er Verbänden und Ländern zur Anhörung weiter geleitet.


ENERGIEEFFIZIENZ: IDEEN BESONDERS FÜR DEN BESTAND GEFRAGT

An einer guten Energiebilanz eines Gebäudes kommt heutzutage kein Architekt mehr vorbei. Die energetische Situation ist oft der Ausgangspunkt von Planungen und auch Sanierungen. Der Vorteil von der Sanierung von Altbauten: Die so genannte graue Energie, die für die Errichtung des Gebäudes nötig ist, ist schon verbraucht, während sie bei Neubauten erst aufgebracht werden muss. Eine energetische Sanierung wirkt sich also unmittelbar auf die CO2-Bilanz aus. Gerade im Bestand liegen große Potenziale. Das ist auch einer der Gründe, weswegen sich der Ideenwettbewerb RE:frame Energieeffizienz mit den Kategorien "Bürgermeister von kleinen und mittelgroßen Gemeinden" und "Kirchenvorstände" – neben den Privateigentümern – besonders auf Bereiche fokussiert, die einen enormen Fundus an Bestandsgebäuden mitbringen, die energetisch saniert werden könnten. Von 186.000 öffentlichen Gebäuden spricht der Vorsitzende der Geschäftsführung bei der Deutschen Energie-Agentur (dena) Andreas Kuhlmann. Für den kirchlichen Bereich kommen noch einmal 135.000 Gebäude hinzu. "Klar, Gebäude zu sanieren, ist nicht per se ein attraktives Thema", sagt Kuhlmann. Doch zeigen die auf der BAU 2019 ausgezeichneten Ideen, wie neue Anreize geschaffen werden können. So macht beispielsweise das Startup SANISI – einer von neun Preisträgern – von Kirchengemeinden geplante oder bereits durchgeführte Effizienz- und Sanierungsmaßnahmen online sichtbar und motiviert so auch andere Gemeinden, aktiv zu werden. "Wir wollen mehr Schwung hinein bekommen", so Kuhlmann.



SANIERUNG: ENERGIEBILANZ WICHTIGER ALS ZUNEHMENDER WOHNRAUM

Wie die Gebäudestudie der dena und die jüngste Studie von Agora Energiewende aufgezeigt haben: Eine höhere Sanierungsquote ist eine notwendige Voraussetzung, um 2050 eine klimaneutrale Gebäudebilanz vorweisen zu können. Das gilt übrigens nicht nur für den Bestand von Kirchen, sondern besonders auch für die Besitzer von Ein- und Zweifamilienhäusern. Im Übrigen schützt die Sanierung von bestehenden Gebäuden in der Regel auch vor der Gefahr des Nullsummenspiels. Die Energiebilanz wird besser, denn der Wohnraum bleibt der gleiche.


09.12.2019 22:49:48