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WÄRMESCHUTZ =
UMWELTSCHUTZ?

Dr. Peter Ahmels über die Bedeutung energetischer Sanierungsmaßnahmen für die Umwelt.


“40 % CO₂-EMISSIONEN ENTFALLEN AUF DEN WÄRMESEKTOR”

Dr. Peter Ahmels, Leiter Energie und Klimaschutz bei der Deutschen Umwelthilfe, erklärt in unserem Interview, welch enorme Bedeutung der Wärmesektor bei der Erreichung der Klimaschutzziele hat.


Wärmeschutz = Umweltschutz! Stimmt diese Formel?

Dr. Peter Ahmels: Absolut. 55 % des Energieverbrauchs und 40 % der CO₂-Emissionen entfallen auf den Wärmesektor (Raumwärme, Warmwasser, Prozesswärme) – ein Großteil davon entsteht in privaten Haushalten. Gründe liegen in weit verbreiteten Defiziten bei der Gebäudedämmung und den Heizungsanlagen, drei Viertel des Altbaubestandes in Deutschland wurden bereits vor der ersten Wärmeschutzverordnung des Jahres 1977 errichtet. Sanierungsmaßnahmen reduzieren den Verbrauch fossiler Brennstoffe, sparen damit bares Geld und dienen gleichzeitig dem Umwelt- und Klimaschutz. Der Nutzen von energetischen Sanierungen geht jedoch weit darüber hinaus: Sie führen zur Wertsteigerung jeder sanierten Immobilie und machen das Wohnen oder Arbeiten darin behaglicher und gesünder.

 


Wie steht es in Deutschland um den Klimaschutz – alles bestens?

Dr. Peter Ahmels: Es gibt noch einiges zu tun. Deutschland ist von der Erreichung seiner Klimaziele weit entfernt, aktuell wurde das “Aktionsprogramm Klimaschutz” des Umweltministeriums verabschiedet. Bis 2020 sollen mindestens 70 Millionen Tonnen CO₂ zusätzlich eingespart werden. Der Gebäudesektor kann große Beiträge zu diesen Herausforderungen liefern. Einsparpotenziale im Wärmebereich sind so groß wie in keinem anderen Sektor, Altbauten können ihren Energiebedarf um bis zu 85 % senken – auch bietet der Gebäudesektor zahlreiche Möglichkeiten für den Einsatz von erneuerbaren Energien.

 

Dämmmaßnahmen am Haus stehen in der Diskussion – warum eigentlich?

Dr. Peter Ahmels: Das Thema ist komplex und mit vielen Unsicherheiten belegt – in der Berichterstattung wird Kritik häufig an negativen Einzelbeispielen festgemacht. Positiven Effekten einer Wärmedämmung wurde bisher wenig Platz eingeräumt. Die einzige Antwort auf die einseitig geprägte Diskussion können sachliche und wissenschaftlich fundierte Argumente sein – dazu will die DUH mit ihrer Arbeit beitragen. Natürlich ist es dabei wichtig, alle Sorgen und Bedenken aufzugreifen – nur so kann ein breiter Konsens für energetische Sanierungen in der Gesellschaft entstehen.


Welche Ziele wollen Sie mit den “Mythenpapieren” erreichen?

Dr. Peter Ahmels: Wir wollen bestehende Vorurteile aufgreifen und die Debatte zu energetischen Sanierungsmaßnahmen auf eine sachliche und differenzierte Ebene heben. Ganz konkret werden bekannte Argumente wie die Kosteneffizienz von Sanierungsmaßnahmen, Brandgefahr von Dämmstoffen oder Aspekte des Denkmalsschutzes adressiert. Die Papiere sind für die Öffentlichkeit bestimmt und werden deshalb kostenfrei zur Verfügung gestellt und stehen auf unserer Webseite als Download bereit.


Wie unterstützt die DUH Hausbesitzer, die eine energetische Sanierung planen?

Dr. Peter Ahmels: Die Bereitstellung von sachlichen und neutralen Informationen ist ein wichtiges Ziel unserer Arbeit. Neben unseren Mythenpapieren ist in diesem Zusammenhang auch unser Hintergrundpapier zu energetischer Gebäudesanierung hervorzuheben. Damit wird Hausbesitzern ein umfassendes Bild zu ihren persönlichen Vorteilen von Sanierungsmaßnahmen ermöglicht. Optionen der öffentlichen Förderung und Beratung werden genannt und so Handlungsentscheidungen erleichtert.

 

Was sind für Sie dabei die vordringlichsten Einzelmaßnahmen?

Dr. Peter Ahmels: Häufig können kostengünstige, gezielte Einzelmaßnahmen – wie der Austausch der Heizungspumpe oder die Dämmung der Kellerdecken – bereits große Effekte erzielen. Generell plädieren wir jedoch dafür, ein Gebäude als Gesamtsystem zu verstehen. Einzelne Komponenten wie die Heizungsanlage und die Gebäudeaußenhülle müssen aufeinander abgestimmt sein, um eine verbesserte Energieeffizienz zu erreichen. Hierzu sind eine qualifizierte Energieberatung und die Entwicklung eines gebäudespezifischen Sanierungsplans unumgänglich.

 

Welche Forderungen hat die DUH an die Politik, um mehr Hausbesitzer für eine energetische Sanierung zu motivieren?

Dr. Peter Ahmels: Mit steuerlichen Abschreibungen von energetischen Sanierungsmaßnahmen und der Aufstockung der KfW-Förderung setzt die Politik einen ersten richtigen Impuls. Um die Energieeffizienz- und Klimaziele bis 2020 zu erreichen und die Sanierungsrate auf mindestens zwei % zu erhöhen, bedarf es darüber hinaus in den nächsten Jahren einer Umsetzung weiterer ambitionierter Maßnahmenpakete. Kernpunkte sollten die Ausweitung und Qualitätssicherung von Beratungsangeboten, eine Überarbeitung und Verschärfung des Ordnungsrechts und die Schaffung weiterer (finanzieller) Anreizmechanismen darstellen. Die Vorbildfunktion bei der Sanierung öffentlicher Gebäuden auszunutzen und ein konsequentes Monitoring bereits bestehender Richtlinien wie die Vorlage von Energieausweisen sind die nächsten Schritte.

Weitere Informationen zur Deutschen Umwelthilfe finden Sie auf www.duh.de.


ÜBER DR. PETER AHMELS

Dr. Peter Ahmels leitet die Abteilung “Klima und Energie” bei der Deutschen Umwelthilfe in Berlin. Einer seiner Arbeitsschwerpunkte ist die Verbesserung der Gebäudeeffizienz, um damit zur CO₂-Reduktion beizutragen.


10.09.2019 10:04:43