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DER INDIVIDUELLE
SANIERUNGSFAHRPLAN

Interview mit Christian Stolte über die Bedeutsamkeit einer
ganzheitlichen Betrachtung des Gebäudes.


“EINE ART ROADMAP ZU EINEM ENERGIEEFFIZIENTEN GEBÄUDE”

Christian Stolte, Bereichsleiter Energieeffiziente Gebäude bei der Deutschen Energie-Agentur (dena), erklärt im Interview den individuellen Sanierungsfahrplan, ein für und mit Energieberatern entwickeltes Instrument für die Realisierung eines energieeffizienten Gebäudes.


Was ist der individuelle Sanierungsfahrplan?

Christian Stolte: Der individuelle Sanierungsfahrplan ist eine Art Roadmap für den Gebäudeeigentümer, die aufzeigt, wie er in sinnvoll abgestimmten Einzelschritten zu einem energieeffizienten Gebäude kommen kann. Er berücksichtigt die individuelle Situation des Gebäudeeigentümers, das Gebäude an sich, den Zustand der Bauteile und ist eine sehr schöne, übersichtliche Darstellung der einzelnen Schritte, mit denen man ein gutes Ergebnis erreichen kann.


Wie genau hilft der iSFP Hauseigentümern dabei, die Informationen über den energetischen Zustand des Gebäudes leichter zu verstehen?

Christian Stolte: Der gebäude-individuelle Sanierungsfahrplan hat einerseits ein Rot-Grün-Schema: Ich kann also bei Rot erkennen: “Oh, da ist Handlungsbedarf”, bei Grün bin ich dann schon eher auf der sicheren Seite. Er zerlegt letztendlich die Sanierungsstrategien in einzelne Schritte, sodass der Gebäudeeigentümer einfach sehen kann, was er tun kann. Danach kann er den iSFP auch zur Seite legen und dann in zwei, drei, vier Jahren wieder herausholen und genau sehen, wo er als nächstes ansetzen muss.





Welche Gründe waren ausschlaggebend für die Ausarbeitung des individuellen Sanierungsfahrplans?

Christian Stolte: Wir haben bei der Energieberatung in der Vergangenheit oft die Erfahrung gemacht, dass es sehr dicke, unverständliche, nicht schön zu lesende Berichte gab. Der gebäude-individuelle Sanierungsfahrplan ist dagegen etwas sehr Übersichtliches, das auch ein Laie, jeder Gebäudeeigentümer sehr einfach versteht, ohne Fachexperte sein zu müssen.

 

Was versprechen Sie sich vom individuellen Sanierungsfahrplan?

Christian Stolte: Wir hoffen auch, dass es die Motivation beim Gebäudeeigentümer stärkt, wenn bestimmte Bauteile saniert werden, es auch gleich richtig zu machen. Dazu braucht er fach-fundierte Informationen, und das kann so ein gebäude-individueller Sanierungsfahrplan leisten.

 

Mit dem Instrument kann man die Ergebnisse der Energieberatung erstmals bundesweit einheitlich darstellen. Was bedeutet das und inwiefern ist dies von Vorteil?

Christian Stolte: Für uns war es bei der Entwicklung ganz wichtig, ein einheitliches Vorgehen zu haben, weil eine Energieberatung immer aus der Gebäudehülle, der Anlagentechnik und den erneuerbaren Energien besteht. Durch die Einheitlichkeit und das standardisierte Vorgehen stellen wir sicher, dass alle Bereiche analysiert werden und auch zu allen Bereichen Handlungsempfehlungen gegeben werden.

 

Energieberater können das neue Instrument freiwillig einsetzen. Gibt es schon ein erstes Feedback von Seiten der Energieberater?

Christian Stolte: Wir haben das Instrument mit Energieberatern zusammen entwickelt, wir haben es testen lassen, wir haben es in Feldversuchen ausprobiert und wir haben es in den vergangenen Wochen und Monaten in sehr, sehr vielen Workshops mit Energieberatern diskutiert und sehr positive Rückmeldungen erhalten, weil es sehr anschaulich und sehr übersichtlich ist als Instrument.

 

Gibt es für die Sanierung nach Fahrplan besondere Förderkonditionen?

Christian Stolte: Zum Einen wird der Sanierungsfahrplan in der BAFA-Vor-Ort-Energieberatung ab 1. Juli gefördert. Das heißt für die Erstellung eines Sanierungsfahrplans gibt es Zuschüsse. Und dann ist es so, dass die anschließenden Maßnahmen, wenn sie eben den Anforderungen der KfW entsprechen, auch gefördert werden, nach den ganz normalen KfW-Konditionen – die sind ja ganz attraktiv. Das heißt: Die Umsetzung wird eben auch unterstützt.

 

Der individuelle Sanierungsfahrplan sorgt für eine ganzheitliche Betrachtung des Hauses bei einer energetischen Sanierung. Was bedeutet “ganzheitlich” in diesem Fall?

Christian Stolte: Ganzheitliche Betrachtung des Gebäudes ist uns immer sehr wichtig. Das bedeutet, dass das Gebäude komplett, vom Dach bis zum Keller, von der Gebäudehülle bis zur Anlagentechnik, bis zu den Erneuerbaren betrachtet wird, und auch ein ganzheitliches Konzept erstellt wird. Das kann dann in einzelnen Schritten realisiert werden. Es muss nicht immer alles auf einmal geschehen, aber man braucht eine ganzheitliche Betrachtung, um ein vernünftiges Ziel vor Augen zu haben und dann über eine Roadmap die schrittweise Realisierung darstellen zu können.

 

Nach welchen Kriterien richtet sich die Zusammenstellung der Sanierungsmaßnahmen?

Christian Stolte: Es gibt mehrere Aspekte, die wichtig sind. Zum Einen natürlich der Zustand des Bauteils. Wenn etwas kaputt ist, die Fassade bröckelt, die Heizung geht nicht mehr, dann ist es natürlich wichtig, dass da was passiert. Aber ganz wichtig sind natürlich auch die Wünsche der Bauherren: Was steht im Vordergrund? Möchte man gerade unbedingt neue Fenster haben, möchte man die Fassade dämmen, damit es behaglicher im Wohnraum wird? Und ganz wichtig ist auch die finanzielle Situation: Hat man gerade Geld, das man ins eigene Gebäude investieren möchte, oder macht man das eher mit etwas Zeitverzug später. Es gibt eine ganze Reihe von wichtigen Kriterien. Dafür ist es auch wichtig, einen kompetenten Energieberater zu haben, mit dem man genau diese Punkte auch durchdiskutieren kann.

 

Welche Rolle spielt die gedämmte Gebäudehülle deutschlandweit betrachtet für die ganzheitliche Sanierung von Ein- und Zweifamilienhäusern?

Christian Stolte: Deutschlandweit betrachtet, und mit Blick auf die energie- und klimaschutzpolitischen Ziele, ist die Gebäudehülle eine ganz entscheidende Säule. Ohne Maßnahmen an der Gebäudehülle wird uns die Energiewende in Deutschland im Gebäudebereich nicht gelingen. Das ist ganz klar! Wir brauchen da eine Strategie, die auf Gebäudehülle, auf Anlagentechnik und auf erneuerbare Energien gleichermaßen setzt. Das Eine ohne das Andere geht nicht.


ÜBER CHRISTIAN STOLTE

Christian Stolte ist Bereichsleiter für Energieeffiziente Gebäude bei der Deutschen Energie-Agentur (dena) mit Sitz in Berlin.


13.09.2017 18:28:55